Blutegel-Therapie

INDIKATIONEN UND WIRKUNGSWEISE

Die zunächst überraschend erscheinende Heilwirkung ist ein „kluger“ Schachzug der Egel, denn damit fördern sie ihre wertvolle Ressource, die Säugetiere – das ist natürlich besser, als sie zu schädigen. Überspitzt ökologisch formuliert: ein schönes Beispiel für eine gelungene „nachhaltige Nutzung“, für ein ausgewogenes Geben und Nehmen. Wissenschaft und Pharmaindustrie haben seit langem erkannt, welch komplexen und wunderbaren Wirkstoffcocktail die Evolution mit dem Blutegelspeichel hervorgebracht hat, der in geradezu „genialer“ Weise in die komplizierte Gerinnungskaskade des Blutes eingreift, Thromben auflöst, Durchblutung und Lymphfluss fördert und entzündungshemmende sowie schmerzreduzierende Wirkung aufweist. Somit ergibt sich ein breiter Indikationsbereich:

Blutegel werden unter anderem eingesetzt bei:

  • Rheuma
  • Herpes Zoster (Gürtelrose)
  • Varikosis (Krampfadern)
  • Tinnitus
  • Thrombosen
  • Furunkeln und Karbunkeln
  • Nebenhöhlenentzündungen
  • Mandelabszess
  • Adnexitis, Parametritis
  • Brustdrüsenentzündung
  • Gallenblasenentzündung
  • Hodenentzündung
  • Phlebitis
  • Hypertonie
  • Arthrose (z.B. Knie oder Daumen)
  • Arthritis
  • Ulcus cruris
  • Sehnen-/Sehnenscheiden-
    entzündungen
    (Tennis-, Golfarm)
  • Apoplexie
  • Angina pectoris
  • Thrombophlebitis

sowie bei Durchblutungsstörungen nach Gewebetransplantation (plastische und rekonstruktive Chirurgie).

Was tun Blutegel mit uns?

Zunächst einmal: der Biss eines Blutegels ist nicht schmerzhaft. Dies ist verständlich, denn Egel haben in der freien Natur kein Interesse daran, unangenehm bemerkt zu werden. Ob zur Schmerzlinderung ein Anästhetikum im Speichel enthalten ist, ist umstritten. Die Bisse werden wie „Brennesselstiche“, „Mückenstiche“, „ein leichtes Ziehen“ oder „Einstiche von Injektionsnadeln“ oder sogar als völlig schmerzfrei beschrieben. Ein im folgenden Verlauf mögliches, leichtes Jucken – ähnlich wie bei einem Mückenstich – geht auf histaminähnliche Substanzen zurück. Der Biss ist auch durch die Biss“technik“ wenig schmerzhaft: 3 sternförmig angeordnete Sägeleisten mit jeweils ca. 80 Kalkzähnchen schneiden sich vorsichtig durch die Haut, um zum Ziel der Wünsche – dem Blut – zu gelangen. Zwischen den Kalkzähnchen sind Öffnungen, durch die die SALIVA, der Blutegelspeichel, abgegeben wird.

Hier ein Video!

Wirksubstanzen

Die Saliva enthält folgende bisher identifizierte Substanzen:

Hirudin (der Name ist abgeleitet von Hirudo medicinalis = medizinischer Blutegel) gehört zu den Wirkstoffen des Blutegels, die als eigenständiges Arzneimittel in der Medizin eingesetzt werden.
Hirudin hemmt die Blutgerinnung und wird u.a. zur Behandlung des Herzinfarkts eingesetzt.

Calin hemmt ebenfalls die Blutgerinnung und bewirkt im Anschluss an das „schnelle“ Hirudin die ca. 12 h dauernde Reinigung der Wunde durch Nachbluten. Es kommt zu dem bekannten, sanften Aderlass.

Bei dem 60-minütigen Saugakt ist es natürlich notwendig, die Wunde offen und das Blut fließfähig zu halten.

Beim Saugvorgang tritt auch der „Ausbreitungsfaktor“, die Hyaluronidase, in Aktion: der Weg für die heilenden Substanzen wird durch Gewebe-Auflockerung vorbereitet. Dieser Wirkstoff findet in der Medizin als resorptionsfördernder Zusatz zu Infusions- und Injektionspräparaten (z.B. „Turbo-Anästhesie“) Verwendung.

Egline und Bdelline wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Die einzigartige natürliche Wirkstoffkomposition der Saliva durch weitere Substanzen (z. B. Faktor X a-Hemmer, LDTI) abgerundet

Herzlichen Dank für die Genehmigung zur Bereitstellung der Informationen an
Quelle: Biebertaler Blutegelzucht GmbH (www.blutegel.de)

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